Bienenhaltung auf einem multifunktionalen Hof in Polen

1. Betriebsprofil

 

Der Biohof „Biene“ liegt in der Region Malopolska in Polen eingebettet in eine schöne Umgebung aus Obstwiesen und Gemüsebeeten, direkt neben einem Fischteich. Dort befinden sich die Imkerei und die Bienenstöcke. Der Landwirt und die Landwirtin setzen sich für den Erhalt der Natur und ihrer Vielfalt sowie der regionalen Traditionen ein und vermitteln diese Werte den Besucherinnen und Besuchern des Hofes.

 

2. Multifunktionale Landwirtschaft

 

2.1. Situation vor Beginn Multifunktionaler Landwirtschaft

 

Mit lediglich 4 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche war der Betrieb zu klein um ein vollwertiges Einkommen zu generieren. Für die Region Malopolska mit seinen kleinen, verteilten Feldern und Höfen ist dies jedoch ein typischer Hof, der inmitten einer einzigartigen Kultur- und Naturlandschaft über die besten Voraussetzungen für multifunktionale Landwirtschaft im Bereich Tourismus verfügt.

 

2.2. Entwicklung des Betriebskonzeptes

 

Ausgehend von den ursprünglichen Aktivitäten in der Landwirtschaft entwickelten die Landwirtin und der Landwirt weitere Angebote und Produkte. Als erstes erhöhten sie die Zahl ihrer Bienenvölker. Dazu boten sie Workshops an. Anfangs war nur der Honig biozertifizert, später stellte der gesamte Betrieb auf ökologischen Landbau um.

Aufgrund der einzigartigen Natur und Kulturlandschaft sahen Bäuerin und Bauer ein großes Potenzial im Tourismus. Um das Bewusstsein für diese zu Stärken und um zu deren Erhalt beizutragen entwickelten sie Erlebnis- und Bildungsangebote und traten dem „Nationalen Netzwerk für Bildungsbauernhöfe“ bei. Nun wirtschafteten sie nachhaltiger, luden Menschen zu sich ein und zeigten ihnen die Bedeutung von einem nachhaltigen Umgang mit der Natur. Da war die Einrichtung eines Bioladens auf dem Hof ein konsequenter nächste Schritt um ökologisch erzeugte Produkte, darunter die eigenen Produkte, verfügbar zu machen. Die letzte von der Familie umgesetzte Idee war die Gründung der Stiftung "Pszczółki".

 

2.3. Multifunktionale Landwirtschaft

 

Der Hof verfügt über folgende multifunktionale Angebote:

  • Gästeunterkünfte mit insgesamt 10 Betten
  • Veranstaltungen und Events:
    • Tagesausflüge
    • Thematische Veranstaltungen
    • Hoffeste
    • Grill-Veranstaltungen
    • Verkostungen selbsthergestellter, traditioneller Speisen
  • Wellness-Lounge
  • Bildungs- und Erlebnisangebote (überwiegend für Kinder):
    • „Pflaume“
    • „Streichelzoo“
    • „Federn rupfen“
    • „Das Leben eines Bienenvolkes über das Jahr“
    • „Angeln“
    • „Biologischer Gemüsegarten – frische Nahrungsmittel aus dem Garten“
    • „Sauerteig-Brot – der wahre Geschmack von Tradition“

Darüber hinaus können im eigenen Bioladen u.a. Souvenirs und die eigenen landwirtschaftlichen Produkte gekauft werden.

 

2.4. Finanzierung des neuen Konzeptes

 

Die Einführung der neuen Produkte und Dienstleistungen wurde mit Eigenmitteln der Familie finanziert.

 

2.5. Ergebnis der Betriebsentwicklung

 

Die multifunktionalen Angebote ergänzen die Aktivitäten der Landwirtschaft und richten sich an Zielgruppen mit ähnlichen Interessen (Umweltinteressierte und Familien). Heute ist die Einkommenssituation gut, wobei die multifunktionalen Aktivitäten einen Großteil beitragen.

 

3. Fähigkeiten für Multifunktionale Landwirtschaft

 

3.1. Kompetenzen des Betriebsleiters und von Angestellten

 

Kreativität, der Einsatz für den Öko-Landbau und den Schutz von Natur und Landschaft sowie dem kulturellen Erbe leiteten die Entwicklung multifunktionaler Aktivitäten. Zentrale Fähigkeiten sind die Offenheit anderen Menschen und neuen Ideen gegenüber, die dazu beigetragen haben den Betrieb weiterzuentwickeln. Frau Agnieszka Król, die Landwirtin, ist dabei die Schlüsselperson, die immer wieder neue Ideen entwickelt, den Betrieb auf regionalen Märkten vorstellt und durch das Herstellen einer familiären Atmosphäre Gäste zum Wiederkommen animiert.

 

3.2. Zugang und Management von Fähigkeiten und Wissen

 

Agnieszka Król hat Kurse zu Marketing, Jura, dem Schreiben von Businessplänen und Pädagogik des Landwirtschaftlichen Beratungsdienstes besucht. Darüber hinaus besucht sie regelmäßig Imkerkurse des regionalen Imkervereins.

 

4. Experiences & Erfahrungen und Ratschläge

 

4.1. Umsetzung des Betriebskonzeptes

 

Ökolandbau, Tourismus und Erlebnis- und Bildungsangebote ergänzen sich gut. Ausgehend von den landwirtschaftlichen Aktivitäten ließ sich der Betrieb Stück für Stück um neue Geschäftsfelder erweitern. Leitlinien waren dabei Nachhaltigkeit vorzuleben und zu vermitteln genauso wie Traditionen weiterzugeben. Wichtig für die erfolgreiche Entwicklung und Umsetzung neuer Geschäftszweige waren die positive Einstellung, Kreativität und der Wille mit andere zusammenzuarbeiten. Ebenso hat die umfangreiche Bewerbung des Hofes zum Erfolg beigetragen, wobei zufriedene Gäste, die für den eigenen Betrieb werben durch nichts zu ersetzen sind.

 

4.2. Unterstützer für das Betriebskonzept finden

 

Frau Agnieszka arbeitet mit verschiedenen regionalen Institutionen zusammen und tritt mit ihrem Betrieb auf verschiedenen regionalen Veranstaltungen oder Messen auf. Grundsätzlich zeigt sich jedoch auch, dass in ihre Erlebnis- und Bildungsaktivitäten umliegende Liegenschaften und Betriebe zum Nutzen aller Beteiligten eingebunden werden können.

 

4.3. Ratschlag des Unternehmers

 

Will man Interessierten Traditionen nahe bringen und Nachhaltigkeit vermitteln, sollten diese Werte auch im Rahmen der eigenen Arbeiten und Angebote sichtbar werden. Glaubwürdigkeit ist ein zentrales Verkaufsargument für die eigenen Produkte, ihre Qualität und den Ökostandard genauso wie Authentizität und eine Wohlfühlatmosphäre für Gäste wichtig ist.

 

4.4. Anregung/ Reflektion

 

Die Entwicklung von Ferien-auf-dem-Bauernhof-Angeboten ist in Polen weit fortgeschritten. Dort genauso wie in anderen Regionen gilt es das Marktpotenzial zu prüfen. Es ist deshalb empfehlenswert, Kundinnen und Kunden durch Besonderheiten oder andere Dienstleistungen auf den Hof zu holen. Erlebnis- und Bildungsangebote sind ein innovativer Ansatz, der seit einigen Jahren gefördert wird. Insbesondere Kinder und Erwachsene können so Traditionen und regionale Kulturen kennenlernen. Unabhängig vom Angebot sollte beachtet werden, das sich Qualität in den allermeisten Fällen auszahlt.

 

Weitere Informationen:

 

www.lksh.de/landwirtschaft/betriebswirtschaft-beratung/einkommensalternativen/bauernhofpaedagogik/

 

www.lksh.de/fileadmin/dokumente/Landwirtschaft/BWL-Beratung/Artike-Erlebnispaedagogik-Chance-fuer-Bauernhoefe.pdf

 

www.lernendurcherleben.de/de/unser_angebot_fuer_landwi.htm

 

www.bfn.de/0323_naturerlebnisangebote.html

 

www.europarc-deutschland.de/wp-content/uploads/2015/10/Wegweiser-f%C3%BCr-die-Konzeption-und-Umsetzung-von-Naturerlebnisangeboten_barrierefrei.pdf

 

Fallstudie in pdf-Format

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